Was für ein Vorschlag ein soziales Pflichtjahr für Senioren einzuführen! Statt so eine Forderung aufzustellen, wäre es sinnvoller darüber nachzudenken, welche Unterstützung Ehrenamtliche brauchen, wie grundsätzlich mehr Menschen für ein ehrenamtliches Engagement gewonnen werden können. Nicht nur Senioren, sondern alle!
Unser Land lebt in sehr vielen Bereichen heute schon besonders von den Ehrenamtlichen, die ihre Zeit und ihr Engagement investieren, um ihr Lebensumfeld und damit gleichzeitig auch dieses Land aktiv mitzugestalten. Beispiel: Schul- und Kulturpatenschaften, Dienste in kirchlichen oder sozialen Einrichtungen (Besuchsdienste, Krabbelgruppen,Stadtteilfeste usw., Jugend- und Seniorenarbeit. Techn. Hilfswerk, freiwillige Feuerwehren usw. Die Liste wäre sehr lang.
Dabei engagieren sich von den über 65 jährigen heute schon ca. 40 % ehrenamtlich: sei es in einer Organisation oder leisten innerhalb der Familie wertvolle Unterstützung sowohl bei der Betreuung von Kindern als auch von pflegebedürftigen Familienangehörigen. Wenn diese Bereitschaft wegbrechen würde, hätte das gravierende Folgen: es könnten zahlreiche Angebote nicht mehr gemacht werden, würde das dem Staat viel Geld kosten, wäre die Umsetzung von Maßnahmen wie sie das seniorenpolitische Gesamtkonzept vorsieht, nicht mehr möglich bzw. die Kassen der Kommunen noch mehr belastet.
Auch diese engagierten Senioren hätten das Recht ihr Rentnerdasein anders zu gestalten. Nein, sie geben der Gemeinschaft was zurück: an Zeit, an Ideen, an Kraft. Freiwillig. Viele üben nicht nur ein Ehrenamt aus.
Der Staat kann dieses Engagement weder einfordern noch ersetzen. Er kann aber dafür sorgen, dass sich möglichst viele Menschen gerne engagieren. Dafür braucht es Raum für Kreativität, Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Gibt es aber auch für diesen Dienst am Gemeinwohl genügend Anerkennung und Wertschätzung? Ein Amt, das es ermöglicht anderen Menschen zu helfen, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und einem das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun? Vielleicht sollte darüber eher nachgedacht werden. Das gilt im übrigen für alle Generationen,
Inge Hartosch
Seniorenratsvorsitzende