Stellungnahme Seniorenrat Fürth zur Forderung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher:

Was für ein Vorschlag ein soziales Pflicht­jahr für Senioren einzuführen! Statt so eine Forderung aufzustellen, wäre es sin­nvoller darüber nachzu­denken, welche Unter­stützung Ehre­namtliche brauchen, wie grund­sät­zlich mehr Men­schen für ein ehre­namtlich­es Engage­ment gewon­nen wer­den kön­nen. Nicht nur Senioren, son­dern alle!

Unser Land lebt in sehr vie­len Bere­ichen heute schon beson­ders von den Ehre­namtlichen, die ihre Zeit und ihr Engage­ment investieren, um ihr Leben­sum­feld und damit gle­ichzeit­ig auch dieses Land aktiv mitzugestal­ten. Beispiel: Schul- und Kul­tur­paten­schaften, Dien­ste in kirch­lichen oder sozialen Ein­rich­tun­gen (Besuchs­di­en­ste, Krabbelgruppen,Stadtteilfeste usw., Jugend- und Seniore­nar­beit. Techn. Hil­f­swerk, frei­willige Feuer­wehren usw. Die Liste wäre sehr lang.

Dabei engagieren sich von den über 65 jähri­gen heute schon ca. 40 % ehre­namtlich: sei es in ein­er Organ­i­sa­tion oder leis­ten inner­halb der Fam­i­lie wertvolle Unter­stützung sowohl bei der Betreu­ung von Kindern als auch von pflegebedürfti­gen Fam­i­lien­ange­höri­gen. Wenn diese Bere­itschaft weg­brechen würde, hätte das gravierende Fol­gen: es kön­nten zahlre­iche Ange­bote nicht mehr gemacht wer­den, würde das dem Staat viel Geld kosten, wäre die Umset­zung von Maß­nah­men wie sie das senioren­poli­tis­che Gesamtkonzept vor­sieht, nicht mehr möglich bzw. die Kassen der Kom­munen noch mehr belastet.

Auch diese engagierten Senioren hät­ten das Recht ihr Rent­ner­da­sein anders zu gestal­ten. Nein, sie geben der Gemein­schaft was zurück: an Zeit, an Ideen, an Kraft. Frei­willig. Viele üben nicht nur ein Ehre­namt aus.

Der Staat kann dieses Engage­ment wed­er ein­fordern noch erset­zen. Er kann aber dafür sor­gen, dass sich möglichst viele Men­schen gerne engagieren. Dafür braucht es Raum für Kreativität, Eigen­ver­ant­wor­tung und Eigenini­tia­tive. Gibt es aber auch für diesen Dienst am Gemein­wohl genü­gend Anerken­nung und Wertschätzung? Ein Amt, das es ermöglicht anderen Men­schen zu helfen, das den gesellschaftlichen Zusam­men­halt stärkt und einem das Gefühl gibt, etwas Sin­nvolles zu tun? Vielle­icht sollte darüber eher nachgedacht wer­den. Das gilt im übri­gen für alle Generationen,

Inge Har­tosch

Senioren­ratsvor­sitzende